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Interview mit macnotes.de “einer der mal wirklich schreibt, was er denkt” :-)

Name: Richard Joos
Wohnort: Bochum
Alter: 37
Beruf: Webredakteur
Interessen: Netz, Politik, Mucke, Mopped
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…siehe http://www.macnotes.de/anzeigen/ und die Gegenfrage, was für dich in Zeiten von RSS-Voilltextfeeds, Caching usw. die “korrekten” Antworten wären…
Page Rank: 6. Spielt der noch ne Rolle? ;)
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1.) Warum bloggst du?
Weils Spaß macht.

Im Ernst – klar, genau deswegen. Aber natürlich im Fall Macnotes auch, um sowas wie Wohnung, Essen und eine Krankenversicherung zu haben.

Natürlich kann man nun auch noch schöne Sätze von der Aufhebung des Sender/Rezipientenmodells erzählen, der brechtschen Radiotheorie und der Emanzipation der Medienkonsumenten, aber ohne Freude dran ist das alles erstmal nur theoretischer Begriff. Aber auch das spielt natürlich eine Rolle.
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2.) Wie viele Stunden investierst du, im Schnitt, pro Woche in deinen Blog?
Lass es bei Macnotes so 20, 25 sein. Faktisch wird der Zeitaufwand aber so um den Faktor vier, fünf höher liegen, ich schreib ja nicht als einziger.
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3.) Nutzt du Twitter? (Bitte mit Begründung)
Ja, klar. Die Leute wollen die Kanäle *ihrer* Wahl nutzen, um sich zu informieren, also bietet man sie an. RSS-Ersatz, Schnellnachrichtendienst oder Kommunikationsmedium, der Motive für Twitternutzung sind viele. Das “Kommunikationsmedium” Twitter kommt bei mir persönlich ein wenig kurz, da ist Katti fitter und mehr unterwegs, zugegeben. ich bin eher der Blog/Boardmensch, aber dass es bei Twitter eben auch um den Rückkanal, die Kommunikation geht, dürfte klar sein. Das grade eher als Defizits-Erklärung meinerseits.
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4.) Nutzt du Facebook? (Bitte mit Begründung)
Ja, ebenso. Facebook ist riesig. Man erreicht dort Leser, kann sich vernetzen, wird weitererzählt und -gelinkt, Facebook ist ebenso schwer zu ignorieren wie Google. Kämpft inzwischen (ungleich agressiver) auch in der Datenschutzthematik, die auch bei Google irgendwann zu größerem Unbehagen geführt hat. Das ist nebenbei ein Grund *gegen* Facebook, aber für uns überwiegen die Vorteile und niemand muss FB nutzen, um Macnotes lesen oder kommentieren zu können.
OK, letzteres muss ich einschränken – für unsere Keynote-Ticker (z.B. http://www.macnotes.de/2010/06/08/iphone4-keynote-der-wwdc-ticker-zum-nachlesen/) nutzen wir inzwischen einen Facebook-Chat. Man erreicht schlicht mehr Leute als mit einem IRC-Frontend oder Skype.
Auch hier die Einschränkung von oben: man stößt an zeitliche Grenzen, wenn man umfassend auf allen Kanälen Feedback auf Reaktionen geben will. OK, subjektiver: *ich* stoß an diese Grenzen…
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5.) Welche Pläne verfolgst du mit deinem Blog?
Oh. Große Frage. Ich denk mal auch groß und sag, Macnotes soll ein Leitmedium der Macosphäre sein. Das mein ich jetzt nicht nur in Sachen der Reichweite und Themenkompetenz, sondern auch bezüglich der kritischen Rezeption und der öffentlichen Diskussion um die entsprechenden Themen.

Ich glaube, dass wir bereits ein gutes Standing haben, was die Analyse und Diskussion neben der reinen “Berichterstattung” angeht. Wenn irgendjemand zu einem Thema schreibt oder kommentiert und dort dann sowas steht wie “Bei Macnotes sieht man das skeptisch, weil…” oder “Macnotes zeigte sich begeistert, denn…” gefolgt von ein paar klugen Gedanken – dann sind wir auf dem richtigen Weg.

Dabei denk ich auch, dass die Kontroverse gut tut. Ich mag beispielsweise die Themen Jailbreak, Hackintosh und noch so ein paar “Sakrilege” mehr. Ich halte das Nebeneinander verschiedener Ansichten und Standpunkte für eine der größten Vorzüge des Internet schlechthin, und dass unsere Standpunkte nicht immer von allen geteilt werden, ist ja prima. Aber sie sollen die Debatte mitprägen und voranbringen.

Selbstverständliches: Dass Leuten bei Problemen schnell und verständlich geholfen wird, dass man über die einschlägigen Themen via Macnotes auf dem aktuellen Stand bleiben und auch Hintergründe erfahren und sich eine eigene Meinung bilden kann.
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6.) Welche Erfolge konntest du mit deinem Blog bisher schon einfahren?
Sowas wie auf der WWDC oder der Macworld in den USA präsent sein oder als einer der ersten iPad (http://www.macnotes.de/2010/04/09/test-apple-ipad-wifi/) , iPhone 4 (http://www.macnotes.de/2010/06/24/iphone-4-erstes-hands-on/)  und Co. in der Hand gehabt zu haben? Seinerzeit die T-Mobile-iPhonetarife oder jetzt letztens die neuen Apple Store-Standorte in Erfahrung gebracht zu haben? Oder platt statistisch die ungefähr verdreifachten Leserzahlen im vergangenen Jahr? ;o)

Das ist Schwanzvergleicherei, aber klar, das sind auch alles Sachen, die sind cool, die machen Spass, da freut man sich riesig drüber. Ich denk aber, das, worauf wir am stolzesten sein können ist, dass wir eine große Leserschaft haben, eine Menge Zeug reißen und es trotzdem (…nun, meistens…) schaffen, nicht einen auf “wir, die Blogger” und “dort, die Leser” zu machen, sondern in der Kommunikation, beim gemeinsam ein Thema (weiter)diskutieren, zusammen mehr rausfinden, Feedback und Hilfe geben, usw. geblieben sind. Irgendwo schrieb ich mal, dass das in meinen Augen auch ein Blog ausmacht, dass es immer noch eine interaktive, ach, besser eine *gemeinsame* Veranstaltung ist und kein dröges Sender-Rezipientending.
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7.) Was hältst du von der deutschsprachigen Blogosphäre?
Es gibt “die deutschsprachige Blogosphäre”? Die Frage halt ich für so sinnvoll wie die, was ich von den Deutschen als solchen halte. Ich kann mit Pauschalisierungen nichts anfangen, ich kenn Deppen und feine Leute, ich kenn Scheißblogs und großartige Seiten. Alles btw. auch schon auf Blogger-Antworten repräsentiert ;)

“Die” deutschsprachige Blogosphäre, soweit es sie gibt, ist was erstaunlich heterogenes. Dem Himmel sei Dank.
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8.) Woran liegt es wohl, dass im deutschsprachigem Raum nur so wenig verlinkt wird?
Wird wenig verlinkt? Das glaube ich nicht wirklich. Die Antwort auf die Frage an sich ist trivial: wenn man sich um nen Link drückt, dann in der Regel, damit der Leser nach dem Klick drauf nicht weg ist. Oder merkt, dass er da vielleicht ne interessantere Quelle gefunden hat als die grade gelesene. Grundsätzlich also: um selber mehr Leser zu bekommen bzw. zu behalten.

Ob das eine sinnvolle Strategie ist? Das ist imo die eigentliche Frage, und die korrekte Antwort ist meiner Ansicht nach “Nein.”
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9.) Wieso interessieren sich die Firmen noch nicht so wirklich für diese Materie? Woran könnte das liegen? Wenn eine Zeitschrift pro Woche 10.000 Leser hat, kann man wohl davon ausgehen, dass dahinter ein kleines Team steht. Hauptberufliche Journalisten, Grafiker, etc., welche wohl relativ gut verdienen. Wenn ein Blogger 10.000 Leser pro Woche hat, ergattert er aber bei weitem weniger Cash. Das ist doch sehr unfair und ebenso unverständlich? Wie stehst du zu dieser Thematik?
Sie tun es doch. Sie tun es aber eben *auch*. Die Webwerbung hat eben die Zeitungswerbung überholt, wenn ich einen entsprechenden Tweet vorhin richtig in Erinnerung habe. Generell denke ich, dass im Netzbereich natürlich noch mehr geht als jetzt. Es gibt mehr Webseiten als Zeitschriften, klar, aber auf der anderen Seite erreicht man eben auch gezielter ein Publikum.

Dazu kommen meine Zweifel, dass die “hauptberuflichen Journalisten, Grafiker etc” heute noch so gut verdienen. Wir haben grade eher ne Anpassung nach unten, was das angeht.

In Anbetracht dessen finde ich die endlose Diskussion Print vs. Blog supernervig. Die läuft schon seit 2007 und sie ist seitdem nicht wirklich ergiebiger geworden, sie wars auch nie. Jetzt schon wieder in dieses “Aber im Print kriegen die Leute mehr Kohle”-Geheule auszubrechen, ist schlicht dumm. Medienschaffende, Online- wie Printjournalisten werden gegeneinander ausgespielt, gekürzt wird überall, die Qualität und insbesondere das investigative Moment bleibt auf der Strecke. Wir sind da als “Fachmagazin” in einer noch einigermaßen komfortablen Lage, aber in anderen Bereichen sollte das “Wir gegen die”-Gehampel endlich aufhören. Wir haben einen derben Bedarf in Sachen Lokaljournalismus, da kann ich mir regionale Kooperationen zwischen Blogs und Lokalredaktionen bestens vorstellen. Warum macht man sowas nicht einfach mal? Was das Investigative angeht, mischt grade Wikileaks die Presselandschaft gut auf – hier auch mehr Kooperation bitte, was spricht dagegen, hier einfach die Crowdsourcing-Möglichkeiten des Internet zu nutzen, wenn man schon keine drei Vollzeit-Investigativjournalisten mehr bezahlen will? Dafür kriegen vielleicht andere Quellen die Reputation, aber so schafft man Reichweite. Das ist jetzt alles mal flott runtergeschrieben, da wirds einige Schwierigkeiten auch geben, aber mir fehlt das Konstruktive und die “Hey, Internet – was können wir damit anfangen?”-Einstellung, stattdessen wird gejammert und gedisst.

Um nicht missverstanden zu werden: Medienkritik ist eine wichtige Sache, ich les einige Watchblogs sehr gerne usw. usw., Kritik bringt alle Beteiligten voran. Aber es geht ums “vorankommen” und nicht um die “Haha, $blog war schneller als $magazin” oder “Oh Mann, $zeitung hat bei $blog abgeschrieben, steinigt sie”- Schwanzvergleicherei.
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10.) Kanntest du Antworten für Blogger schon? Was könnte ich verbessern?
Ich find die reinen SEO/Werbetexte bei dir ein wenig penetrant. Und die Teaser zu den Interviews etwas nichtssagend. Statt Einleitungsfloskeln und langweiliger (und ich wage zu behaupten, aussageloser) Statistik lieber ne griffige Vorstellung des Blogs und warum du es interviewt hast? Ich mein, das bisschen Mühe kannst dir ja machen, wenn du dir ansonsten den Inhalt frei Haus liefern lässt ;)

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Über den Autor

Blogger, Webdesigner, SEO und dem Bereich Online Marketing an sich sehr angetan. Wir leben in einer Zeit, in welcher wir Zeugen werden, welche immensen Ausmaße das Internet annimmt und der Hype ist noch lange nicht vorbei. :-)

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