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Interview mit lernenheute.wordpress.com “Ein bloggender Lehrer”. :-)

Name: Werner Prüher
Alter: 39
Wohnort: Rohrbach /Oberösterreich
Beruf: Berufsschullehrer
Interessen: Lernen, Laufen, Web, SF, Book-Addict

Blog: http://lernenheute.wordpress.com
unique visits/Tag: ca. 170
Seitenaufrufe/Tag:  ca. 212
Traffic/Monat:
Page Rank: 4
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1.) Warum bloggt man denn eigentlich? :-)
Um Gedanken und Erfahrungen in einem Informationsspeicher festzuhalten, der für einen selbst und andere nützlich sein könnte. Im Lernen-Heute-Blog geht es um das Lehren und Lernen in meinem Umfeld als Berufsschullehrer und als Fernstudent.
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2.) Wie steht`s mit der Materie in deinem sozialen Umfeld? Wissen die Freunde, Bekannten und Verwandten denn überhaupt, was ein Blog ist, wie er funktioniert und was dahinter steckt? :-)
“Ich habe auf Deiner Homepage gesehen…”
“Ich hab keine Homepage. Du meinst den Lernen-Heute Blog? Oder das Lernen-Heute Wiki? Oder die Delicious-Sammlung? Den Youtube-Kanal? Oder Twitter?”
“???”

Im Ernst: Interessierte wissen so einiges über Blogs. Andere nicht. Aber darum geht es nicht. Beim Bloggen denke ich nicht an mein privates soziales Umfeld. Und umgekehrt.
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3.) Betreibst du deinen Blog kommerziell? Wie viele Euro erwirtschaftest du hierbei im Schnitt pro Monat? Welche Einkommensquellen gibt es denn für uns Blogger?
Ich mag die Gratis-Kultur im Netz, die es derzeit gibt. Freeware, Shareware, Internet-Tageszeitung, Wikipedia, das Gutenberg-Projekt, Youtube, Google-News, Google-Books, Google-Scholar und all die Blogs – alles wunderbar. Meinen Blog sehe ich als weiteren Beitrag für diese Kultur, es ist eine Art “Geben und Nehmen”.

Den einzigen kommerziellen Luxus, den ich mir leiste, sind Bücherlinks auf Amazon. Die haben mir in den letzten 45 Monaten einen 25 Euro-Gutschein eingebracht, der prompt in Lesefutter umgewandelt wurde.

Von Zeit zu Zeit gibt es Anfragen, ein Lernprogramm oder eine Lern-Website etc. vorzustellen, um deren Umsatz zu steigern. Aber erstens bin ich nicht der Produkttester vom Dienst, zweitens könnte diese Produktvorstellung zu ungunsten des Herstellers ausgehen (die meiste e-Learning Software ist meiner Meinung nach grottenschlecht) und drittens: Die Anfrager sind offensichtlich auch alle Fans dieser Gratiskultur.
Man stelle sich vor, dass man überall zahlen müßte. Wer weiß, vlt. kommt das ja noch. Denke aber, das ist fast unmöglich. Ich finde das Netz auch toll, so wie es bisher ist. :-)
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4.) Viele haben die Zeichen des WWW noch nicht erkannt. Es gibt sehr viele Hammer-Blogs mit zigtausenden Unique visits und enorm vielen Stammlesern, Tag für Tag. Dennoch können sie mit ihrem Blog kaum bares Geld umsetzen. Woran liegt das wohl? :/
Ich war neulich in einem Kabarett, das von einer großen Versicherung in Verbindung mit einer Bank gesponsert wurde. Der Künstler schaffte es, das zahnloseste Kabarett aufzuführen, das ich jemals gesehen habe. Ich habe den Kabarettisten schon vor 8 Jahren genossen und war damals von seinem kritischen Programm begeistert, freute mich auf den Abend und wurde bitter enttäuscht. Schaumgebremst lavierte er sich durch das Programm, immer bedacht, keiner Berufsgruppe zu nahe zu treten, keine politische oder religiöse Meinung zu äußern oder irgendwo anzuecken. Nette, kleine Witzchen, manche sogar aus dem Internet geklaut.

Mit Blogs stelle ich mir das ähnlich vor: Blogs verlieren an Wert, sobald sie Geld verdienen. Wer bezahlt, gibt die Themen vor, zensiert und korrigiert. Was vorher freiwillig und mit Herzblut gemacht wurde, wird zum Broterwerb. Nicht anders funktioniert das mit Bankerboni, mit Noten in der Schule oder Firmen-Incentives: Die Motivation und Freude wird kaputtgemacht.

Schön wäre es, wenn per Mausklick auf ganz einfache Art und Weise gespendet werden kann. Was, das gibt es schon? Flattr? Ich denke nicht, dass sich dieses Modell durchsetzt. Solange kein höchst einfaches Micro-Payment-System breite Akzeptanz findet, wird es schwierig sein, als Unabhängiger mit kurzen Texten Geld zu verdienen.

Aber vielleicht geht`s den Hammer-Bloggern auch gar nicht um Geld, sondern um das Publizieren, um das Gelesen-werden und um den fallweisen direkten Kontakt mit den Lesern.
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5.) Abmahnungen sind ja so ein Thema und können eigentlich das gesamte Leben eines Menschen zerstören, nur weil man vielleicht einmal einen Fehler macht. Was hältst du von diesen Abmahnungen? Hast du Angst, eventuell einmal abgemahnt zu werden? Sicher ist ja im Prinzip keiner. :/
Ich hoffe, dass in den nächsten Jahren eine Generation von Politikern und Juristen heranwächst, die weiß, was das Internet ist. Derzeit wird sinnlos kreatives Potenzial zerstört, wenn althergebrachte Grundsätze des Rechtssystems auf das Web angewandt werden. Ich hoffe, dass es in der Schlacht “Privatsphäre” gegen “Copyright” keinen Verlierer gibt, sondern dass diese relativ friedlich beendet wird. Bis dahin sollten Blogger vor Abmahnfallen geschützt werden, indem vom Kläger zwingend und nachweislich eine kostenlose Aufforderung zu Löschung des streitigen Inhalts an den Blogger mit Fristsetzung übermittelt werden muss. Ich nehme an, dass jeder Blogger von Juristen in Ruhe gelassen werden möchte und bei einer entsprechenden Nachricht prompt die strittigen Inhalte entfernt. Hätte ich Angst vor Abmahnungen, dann hätte ich meinen Blog schon längst gelöscht.
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6.) Welche Ziele verfolgst du mit deinem Blog?
Gute Frage. Vergleichen wir das mit meinem Traumauto: Es muss anspringen, wenn ich es starte, alltagstauglich sein und es muss mich zuverlässig und ohne Pannen von A nach B bringen. Farbe, Felgen, PS, Innenverkleidung, Sitze = völlig egal.

Genauso ist das mit meinem Blog: Er muss funktionieren. Das heißt: Meine Gedanken zuverlässig transportieren. Wohin diese gehen, ist jeden Tag anders. Ein Ziel im eigentlichen Sinne habe ich nicht. Der Blog ist ein Wegbegleiter und gibt das wieder, was mich im Moment beschäftig, was ich ausprobiert habe und was mir wichtig erscheint, anderen mitzuteilen. Es freut mich sehr, wenn die Blog-Beiträge manchen Lehrern Anregungen für den Unterricht oder Berufsalltag geben. Ich komme in Kontakt mit Leuten, die ähnlich wie ich denken, Neue Medien ausprobieren, Interesse am Erfahrungsaustausch haben, Fehler und Schwierigkeiten zugeben und empfinde es wohltuend, dann und wann positives Feedback zu bekommen.
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7.) Gibt es deiner Ansicht nach eigentlich eine Blogosphäre? Wie wird sich diese wohl im Laufe der Jahre entwickeln?
Meine Blogosphäre besteht aus Menschen, die im weitesten Sinne mit Unterricht, Pädagogik und Neuen Medien zu tun haben. Über die Blogsphäre vernetze ich mich mit Leuten, die Schule verbessern möchten und hole mir Ideen, Energie und Motivation, Neues im Unterricht auszuprobieren. Da in Österreich und ins besonders in der Schulpolitik alles Neue (1.) grundsätzlich schlecht und (2.) immer unnütz ist, hilft mir die Blogosphäre auch, mich selbst nicht für völlig irre zu halten.

In den nächsten Jahren sollte sich die Blogosphäre technisch verbessern. Ich wünsche mir die Integration mehrerer Dienste, sodass es egal ist, ob ich über Facebook, Twitter, Blogs oder Wsachmmr poste, eine einfachere Suche nach gemeinsamen Interessen, automatische Vorschläge von Gleichgesinnten, die Einrichtung von Blogosphären-Sphären, beispielsweise Familien-, Verwandten-, Freundes-, Bekannten-, Kollegen-, Mentoren-, Fan-, Wissens- und Best-Of-Sphären, unabhängig von der verwendeten Plattform.
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8.) Was hältst du denn eigentlich vom Thema Linkgeiz? Warum wird nur so wenig verlinkt?
Das war für mich noch nie ein Thema, mich hat das noch nie gestört bzw. hat sich noch nie jemand beschwert. Ich denke, dass für kommerzielle Blogs Verlinkungen sehr wichtig sind, deshalb gibt es ja auch diese Spam-Kommentare wie “Interessanter Beitrag, werde öfter mal vorbeischauen” und der Klick auf den Absender leitet einen dann zum Wettanbieter oder zur Astrologin. Diese Kommentar-Links sind für mich Spam und werden entfernt. So gesehen, bin ich ziemlich geizig, mit meinen Kommentar-Links.
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9.) Welche Blogger sind deiner Ansicht nach die bekanntesten im deutschsprachigem Raum? :-)
Das Schöne an Blogs ist ja, dass man den Mainstream samt seinen Schreihälsen links liegen lassen kann und nicht das lesen muss, was alle anderen auch lesen. Jeder bastelt sich mit seinem Blog-Reader seine eigene, informelle Lernplattform, die ganz exakt seine Interessen abdeckt. Das schafft weder Radio, noch Fernsehen, noch Printmedium. Unabhängige Blogger müssen nicht der breiten Masse gefallen, müssen nicht all ihre Interessen ein bisschen abdecken um sich am Markt behaupten zu können.

Daher nun meine Empfehlungen für die Zielgruppe “Lehrer, die an Neuen Medien interessiert sind” in unsortierter Reihenfolge: Jochen English, I want to teach forever, Na – wie war`s in der Schule, Hintertreppe, Generation Bildung, Karriere-Bibel, Steve Hargadon, Lehrerzimmer, Der Lehrerfreund, Sven`s kleiner Blog, EFL Classroom, Joanne Jacobs, EduWeb, Social Media Today, e-teaching.org, Medienpädagogik-Praxis Blog, Stephen`s Web, Drape`s Takes, Tool Blog, Wuensch-Media, Hokeys Blog, Cool Cat Teacher Blog, Blogpiloten.de, Schwamm drüber, My life in Tumblr, Rete-Mirabile.net, riecken.de, Seth`s Blog usw.
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10.) Was hältst du denn eigentlich von einem validen Quellcode? Manche meinen ja, das sei das um und auf?
Ich habe mir darüber bisher noch keine Gedanken gemacht. Mein Blog liegt bei WordPress.com und ich vertraue dem WordPress.com-Team voll und ganz, die Plattform in technischer Topform zu halten.
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11.) Was betreibst du, um Besucher auf deinen Blog zu bringen?
Wie optimierst du auf SEO?
Um Besucher auf meinem Blog zu bringen, versuche ich in allererster Linie gehaltvoll und durchdacht zu bloggen. Die meisten Besucher hatte ich in den letzten Jahren mit dem Blog-Beitrag “Was ist ein Streber” in einem Blog-Titel, der bei Google lange Zeit seltsamerweise auf Platz 1 gelistet wurde, wenn man “Streber” in der deutschen Suche eingab. Das war unbeabsichtigt (und ich könnte es ja auch nicht gewollt beeinflussen). Neue Beiträge twittere ich, das ist alles. Eigentlich verschwende ich keinen Gedanken daran, möglichst viele Besucher auf den Blog zu bringen, dazu ist die Zielgruppe der Blog lesenden Lehrer zu begrenzt und wie oben erwähnt, ist es mangels kommerzieller Nutzung völlig egal, ob ich 100 oder 10000 Leser habe. Trotzdem verwundert es mich, dass die Visits ständig steigen. Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass im Laufe der Zeit immer mehr Lehrer bloggen und Leser zu anderen Blogs abwandern.
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12.) Was hältst du denn eigentlich von Werbe-Artikeln, Gewinnspiele im Blog oder zu Gast-Artikeln? :-)
Ich selbst liebe Werbe-Artikel und Gewinnspiele, mag sie aber nicht auf meinem Blog. Grundsätzlich sollten viele meiner Blog-Beiträge kein Ablaufdatum haben, sondern auch noch in einigen Jahren nützlich sein, und sei es nur aus nostalgischen Gründen. Gewinnspiel-Blog-Beiträge sind ein nettes Vehikel, um Besucherzahlen zu generieren. Wenn ich selbst bei einem Blog-Gewinnspiel mitmache, dann interessiert mich in erster Linie der Gewinn, selten der Blog. Das ist wie bei Messeständen, wo es da und dort nette Gadgets zum Einsammeln gibt: Der Stand ist mir völlig egal, der Jäger und Sammler will einfach nur die Beute haben.

Gegen Gast-Artikel habe ich nichts einzuwenden, wenn sie der allgemeinen Linie des Blogs entsprechen und keine versteckten Werbeeinschaltungen enthalten.
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13.) Kanntest du http://blogger-antworten.com schon? Was könnte ich verbessern?
Nein, sorry. Wenn du irgendwas mit “Unterricht” oder “Lehrer-Blog” gebloggt hättest, hätte ich Dich vielleicht gefunden. Nun kenn ich ihn ja. Lass ihn so, wie er ist, er besetzt eine Ecke, die ganz nützlich und interessant ist.
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14.) Vielen Dank für dein Interesse an einem Interview mit blogger-antworten. :-)

Author Box Left

Über den Autor

Blogger, Webdesigner, SEO und dem Bereich Online Marketing an sich sehr angetan. Wir leben in einer Zeit, in welcher wir Zeugen werden, welche immensen Ausmaße das Internet annimmt und der Hype ist noch lange nicht vorbei. :-)

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