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Interview mit http://antjeschrupp.com

Antje ist Journalistin und Politikwissenschaftlerin und führ obendrein mit http://antjeschrupp.com einen sehr tollen Blog. Deshalb dachte ich mir, dass es eine tolle Idee wäre, diese Person zu interviewen, denn die Frau Schrupp hat ja bestimmt einiges interessantes zu erzählen und das hat sie auch. Viel Spass beim Interview. :-)


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1.) Hallo Antje, Inhaberin von http://antjeschrupp.com. Erzähle den Lesern doch bitte ein wenig über deine Person. Was macht dich als Mensch aus?
Ich bin Journalistin und Politikwissenschaftlerin, 45 Jahre alt, und lebe in Frankfurt am Main. Ich diskutiere gerne, besonders gerne über Politik (im weitesten Sinne) und deshalb blogge ich. Was mich ansonsten als Mensch ausmacht, das können andere besser beurteilen als ich selber.
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2.) Dein Template ist schon sehr fein. Da gibt es nichts zu meckern. Das Auge isst ja bekanntlich auch mit und dass du ein Foto von dir online gestellt hast, war bestimmt kein Fehler, denn du wirkst sehr symphatisch. Wie lange betreibst du deinen Blog denn schon? Wie fing alles an?
Mein Blog betreibe ich seit 2006, aber ich habe schon seit 1996 eine Homepage (www.antjeschrupp.de). Da sammle ich alle meine veröffentlichten Texte. Ich schreibe ja auch für Print, halte Vorträge und Workshops und so weiter. Im Internet stelle ich die Texte und Materialien den Teilnehmenden zur Verfügung, außerdem ist es für mich inzwischen so ein kleines eigenes Archiv. Seit Januar 2007 betreibe ich zusammen mit anderen außerdem ein Internetforum für Philosophie und Politik (www.bzw-weiterdenken.de). Getreu dem alten Slogan der Frauenbewegung „Das Private ist Politisch“ gehe ich beim Bloggen gerne von eigenen Erfahrungen und Erlebnissen aus, daher auch das Foto, damit sich die Leserinnen und Leser etwas unter mir vorstellen können. Allerdings finde ich, dass es auch andersherum gilt: „Das Politische ist (immer auch) privat“. Ich mag es nicht, wenn theoretische Prinzipien abstrakt diskutiert werden, sondern für mich ist Politik immer konkret, alltagsrelevant.
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3.) Du bist Politikwissenschaftlerin? Politik und das WWW. Was kannst du uns hierbei berichten? Ich denke ja, dass teilweise einiges sehr unfair abläuft in dieser Thematik. Ich sah einmal ein Video von einer Frau, welche einfach ein Foto von Google klaute. Ein kleines nicht einmal pixelstarkes Bild war das. Der Bild-Inhaber verklagte die Frau danach und diese mußte tausende von Euro zahlen. Das ist doch heftig oder? Wenn einer dem anderen die Birne einschlägt, ist die Strafe meist nicht so hoch. Irgendwas stimmt da doch nicht? :-)
Das ist zumindest meine Ansicht.
Ich finde es klasse, über das Internet heute schnell und unkompliziert publizieren zu können, also unabhängig von Verlagen oder Redaktionen oder Institutionen, die man früher immer erst mühsam überzeugen musste, bevor man etwas veröffentlichen konnte. Außerdem ist es keine Einbahnstraße, weil sich durch die Kommentare auch weiterführende Diskussionen ergeben. Die Problematik mit dem unzeitgemäßen Urheberrecht, die du ansprichst, ist derzeit wohl eines der wichtigsten Themen im Zusammenhang mit dem Internet. Darüber wird ja auch viel diskutiert, ich selbst habe in meinem Blog auch schon ab und zu darüber geschrieben. Dabei geht es natürlich in erster Linie um kommerzielle Interessen. Aber meiner Ansicht nach ist es auch die Vorstellung des „autonomen, originellen Urhebers“, die hier auf den Prüfstand gehört. Wir alle verdanken unsere Ideen immer dem Austausch mit anderen, deshalb ist die Vorstellung von „Individualität“ und „Originalität“ ohnehin problematisch. In früheren Zeiten, vor der Frauenemanzipation, haben zum Beispiel Männer oft ganz ungeniert die Ideen von Frauen aufgegriffen und als ihre eigenen „verkauft“ (im wahrsten Sinne des Wortes). Das kommt übrigens auch heute noch vor. Auch meine Blogeinträge sind fast immer durch Gespräche mit anderen Leuten inspiriert. Etwas von anderen zu übernehmen, ist einerseits also völlig normal, andererseits gilt es aber immer noch als irgendwie ehrenrührig, sodass man es nicht eingestehen will. Und so kommen dann die Plagiate zustande, das Klauen von den Inhalten anderer. Ich meine also, wir müssten das Verhältnis zwischen Originalität und Inspiration völlig neu überarbeiten, und zwar über die bloße Frage nach dem Geld hinaus. Es sollte positiv besetzt sein, wenn man etwas von anderen übernimmt (Texte, Bilder, Ideen), allerdings sollte man dann auch offen dafür „Danke“ sagen un nicht die Quelle der Inspiration einfach verleugnen und so tun, als wäre man ein einsames Genie.
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4.) Nutzt du Google Analytics oder dergleichen, um ausfindig zu machen, welche Zielgruppe deinen Blog verfolgt?
Ich hatte Google Analytics auf meiner Homepage mal installiert, um es auszuprobieren, aber ich benutze es nicht viel. Momentan bereite ich einen Relaunch vor, und dann fliegt es wieder runter. Diese ganzen Zahlen und Statistiken sagen eigentlich nicht viel über die Qualität der Kontakte aus. Mir ist es wichtiger, wer mein Blog liest, als wie viele Zugriffe es sind. Über darüber erfahre ich mehr aus den Kommentaren, den Retweets, den Verlinkungen usw. als über solche Statistiken. Ich schreibe sowieso nicht in erster Linie für andere, sondern, um es mit Hannah Arendt zu sagen, damit ich selbst nicht vergesse, was ich schon einmal gedacht habe. Ich google mich inzwischen auch oft selbst, nach dem Motto: Hey, hatte ich zu diesem Thema nicht auch schon mal was geschrieben?
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5.) Du hast schon sehr viele Artikel verfasst. Wie motiviert man sich da immer wieder auf`s neue? Vor allem sind deine Artikel großteils ja sehr lang. :-)
Das ist auch gut so. Legst du auf SEO Wert?
Was SEO ist, musste ich jetzt erst mal googeln – also, du siehst, darauf lege ich keinen großen Wert. Obwohl ich natürlich nichts dagegen habe, wenn ich durch Suchmaschinen gut gefunden werde, was im Übrigen auch der Fall ist, weil ich ja schon so lange im Netz bin. Ich bin auf viele anderen feministischen oder politischen Blogs verlinkt, aber das ist einfach im Lauf der Zeit über den inhaltlichen Austausch gewachsen. Zum Artikel schreiben motiviere ich mich gar nicht, ich schreibe nur, wenn ich auch Lust dazu habe oder mir eine Idee im Kopf herum geht. Meistens entlastet mich das dann, denn wenn ich etwas erst mal aufgeschrieben habe, muss ich nicht mehr darüber nachdenken, d.h. der Kopf ist wieder frei für anderes. Dass ich Journalistin bin, ist dafür natürlich hilfreich, denn das Aufschreiben selbst bereitet mir keine große Mühe, wenn ich erst einmal weiß, was ich sagen will.
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6.) Findest du es in Ordnung, wenn eine Frau inmitten der Öffentlichkeit ihr Baby stillt?
Also ich habe damit kein Problem. Wenn ich Durst habe, trinke ich ja auch. :-)
Ja klar, warum nicht? Das sollte die betreffende Frau selbst entscheiden.
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7.) Von wo beziehst du deine tollen Bilder, welche deine Artikel untermauern?
Ich versuche, zu möglichst jedem Post auch ein Foto zu setzen, vielleicht weil ich selbst ein visueller Typ bin. Die Fotos mache ich entweder selbst, oder ich nehme sie von darauf spezialisierten Plattformen wie potocase.de oder fotolia.com, wo sie im Sharing-Prinzip entweder kostenlos oder in Blogqualität sehr günstig zu haben sind.
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8.) Armut ist kein Naturgesetz lautet die Kopfzeile eines Artikels bei dir. Was hältst du von gesunden Arbeitslosen, welche eben schon jahrelang ohne Arbeit sind. Hast du dafür Verständniss oder nicht? In der heutigen Zeit ist es bestimmt sehr schwer, Arbeit zu finden.
Ich finde es traurig, wenn Leute nichts zu tun haben und ihre Zeit totschlagen. Ich bin der Meinung, jeder Mensch hat etwas Wertvolles für die Gesellschaft beizutragen. Ich finde es aber völlig falsch, Menschen zur Arbeit zu zwingen, auch weil dabei meistens nichts Sinnvolles herauskommt. Deshalb bin ich für ein bedingungsloses Grundeinkommen, also dafür, Arbeit und Einkommen mehr als heute voneinander zu entkoppeln. Geld ist in unserer Welt ein unverzichtbares „Lebensmittel“, deshalb sollte jeder Mensch eine bestimmte Menge davon ohne Bedingungen und Gegenleistungen bekommen. Ich bin davon überzeugt, dass die meisten sich dann auch gerne ihrerseits wieder irgendwie in die Gesellschaft einbringen wollten – und es würde sicher nicht schaden, wenn dieses Engagement nicht immer bloß „marktförmig“ wäre. Heute wird viel zu viel Unsinniges Zeug produziert, bloß weil man glaubt, dass es Geld bringt. Wir sollten weniger darüber nachdenken, ob wir das, was wir tun, „verkaufen“ können und mehr darüber, ob es sinnvoll und für die Allgemeinheit nützlich ist. Auch über ein neues Urheberrecht könnten wir dann viel entspannter nachdenken.
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9.) Du erhältst teilweise sehr viele Kommentare. Wie machst du das? Was betreibst du, damit die Besucher auf deinen Blog finden? :-)
Die Menge der Kommentare ist sehr unterschiedlich, manche Themen schlagen hohe Wellen und kriegen über hundert Kommentare, andere hingegen gar keinen. Darin schlägt sich übrigens nicht immer wieder, wie wichtig ich selbst ein Thema finde. Von daher ist es für mich auch ein gutes Korrektiv und ein Gradmesser für die „öffentliche Netzstimmung“ zu bestimmten Themen. Wobei ich aber auch viele Leserinnen habe, die das Internet bislang nur zur Information nutzen. Die beteiligen sich in den Kommentaren wenig, sind mir aber auch wichtig. Sicher ist es hilfreich, dass ich in den Kommentaren selbst mitdiskutiere, außerdem lösche ich strikt alle Trolle und alle Kommentare, die sich im Ton vergreifen oder nicht aufs Thema beziehen. Die Leute, die ernsthaft diskutieren möchten, sollen in meinem Blog eine angenehme Atmosphäre vorfinden. Ich sehe mich da auch in der Rolle einer guten Gastgeberin.
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10.) Ich sehe keine Werbung in deinem Blog oder bin ich einfach blind? Verschenkst du da nicht sehr viele Euro?
Kann schon sein, aber ich hatte bisher einfach keine Zeit, mich drum zu kümmern. Auf meiner Homepage habe ich ein paar kleine bezahlte Anzeigen, die kamen zustande, weil Firmen mich angesprochen haben.
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11.) Wie viele unique visits/Seitenaufrufe hast du denn so pro Tag und wie steht es um deinen Traffic?
So etwa 400 pro Tag im Blog und etwa genauso viele auf der Homepage. Tiefergehend habe ich meinen Traffic bislang nicht analysiert.
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12.) Was hältst du von der Blogosphere? Hast du schon schlechte Erfahrungen gemacht?
Ja, ein paar mit Männern, die im Internet gegen Feministinnen hetzen oder überhaupt gegen Leute, die eine Meinung haben, die ihnen nicht passt. Manchmal überschwemmen sie mein Blog mit ihren Kommentaren, und dann muss ich dauernd löschen. Aber das geht ja noch. Blöder ist, wenn sie auf ihren eigenen Seiten gegen mich hetzen, teilweise mit Foto und Adressen-Nennung oder auch mit Aufrufen, meine Veranstaltungen zu stören. Glücklicherweise ist es bisher bei den Drohungen geblieben. Besonders fies finde ich es, wenn sie unter meinem Namen in anderen Blogs doofe Kommentare abgeben in dem Versuch, mich zum Beispiel als Männerhasserin oder als intolerante Person zu diskreditieren. Aber glücklicherweise kriege ich das in der Regel mit, weil ich inzwischen im Netz bekannt genug bin, dass mich Leute darauf hinweisen. Und ich bin ja auch mit eigenen Seiten so gut vertreten, dass das mit dem Diskreditieren nicht wirklich klappt. Ich gehe damit so um, dass ich möglichst wenig Energie auf diese Leute verwende, also jegliche Kommunikation (auch negative) verweigere. Ich blocke und lösche das alles sofort. Aber im Kopf geht es einer dann natürlich doch herum. Insgesamt bin ich immer wieder verblüfft, welche Abgründe an diffamierender, ätzender, selbstgerechter Polemik sich im Internet finden lassen. Aber das Gute ist ja, dass man so was wegfiltern kann.
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13.) Wie wird sich die Blogosphere wohl im Laufe der Jahre entwickeln? Denkst du, dass Firmen, zukünftig betrachtet, immer mehr Kohle in Blogger stecken, betreff Werbung?
Ich glaube, dass es der Qualität des Internet nicht gut tut, wenn man es in erster Linie unter kommerziellen Aspekten betrachtet. Aber das ist eigentlich keine Frage des Internet speziell, sondern generell unserer Kultur und unseres Wirtschaftssystems, hier wird ja inzwischen alles und jedes „verbetriebswirtschaftlicht“. Was direkte Werbung betrifft, so bin ich skeptisch, weil ich persönlich zum Beispiel nie auf Werbeanzeigen im Netz klicke. Die Zukunft sehe ich eher in einem Zwischending: Also dass die Menschen in Blogs und sozialen Plattformen auf Sachen hinweisen, weil sie sie wirklich gut finden, und das können dann auch kommerzielle sein. Diese Art von Produktbewertungen seitens Kundinnen und Kunden, das wird immer wichtiger werden. Wie das dann in Geld umgerechnet wird – keine Ahnung. Aber wie gesagt, das Internet ist nicht das einzige Ding, das sich schlecht in Geld umrechnen lässt. Anderen Bereichen, etwa Pflege und Fürsorgearbeiten, lassen sich auch schlecht in Geld umrechnen, und trotzdem wird es versucht, zum Schaden vieler.
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14.) Nun zum Linkgeiz. Was hältst du davon? Kann ich damit rechnen, einen Backlink von dir, dank unserem Interview zu erhalten und falls nicht, warum? :-)
Ich halte nichts davon, unendlich viele Links nach überall hin zu setzen, denn dann geht ihr Sinn, nämlich Orientierung zu bieten, verloren. Ich verlinke deshalb nur zu Seiten, die ich auch wirklich für empfehlenswert halte. Aber einen Link zu diesem Interview werde ich im Blog sicher irgendwo unterbringen.
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15.) Kanntest du http://blogger-antworten.com schon? Was könnte ich verbessern oder ist schon alles ideal? :-)
Nein, kannte ich nicht.

16.) Danke dir für das Interview. :-)

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Über den Autor

Blogger, Webdesigner, SEO und dem Bereich Online Marketing an sich sehr angetan. Wir leben in einer Zeit, in welcher wir Zeugen werden, welche immensen Ausmaße das Internet annimmt und der Hype ist noch lange nicht vorbei. :-)

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